© Andrea Robbi Stiftung (Privatbesitz), Selbstporträt

 

ANDREA ROBBI
LANDSCHAFTEN, PORTRÄTS UND AQUARELLE

vom 14. Juni bis 23. Oktober

Chesa Fonio, neben der Kirche, 7514 Segl/Sils Maria

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 16 bis 18 Uhr

Eintritt: CHF 6.00 / Jugendliche: CHF 4.00

Andrea Robbi wächst begütert und weltgewandt auf, wobei sein malerisches Talent früh gefördert wird. Seine Kindheit verbringt er in Carrara in der Toscana, sowie in Saluzzo, einer piemontesischen Kleinstadt, in der seine Eltern die Pasticceria Methier und Robbi führen. Den Sommer verbringt die Familie jeweils in Sils Maria im Engadin, wo der Vater Kräuter- und Enzianschnaps brennt. Andrea Robbi besucht die Primarschule in Sils-Maria und später die Kantonsschule in Chur. Im Oktober 1887 schreibt er sich an der Akademie der Bildenden Künste in München ein, wo er gemeinsam mit Giovanni Giacometti studiert. Dort wird er in die Klasse des Landschaftsmalers Karl Raupp, einem Schüler Karl von Pilotys, aufgenommen. Vorausgegangen sind vermutlich Aufenthalte an der Dresdener Kunstakademie, in Italien – vielleicht in Turin – sowie in Genf bei Barthélemy Menn; wie Robbi ist Menn der Sohn eines emigrierten Engadiner Zuckerbäckers. 1888–1891 studiert Andrea Robbi an der Académie Julian in Paris. Anfang März 1891 reist er nach Rom. Von Oktober 1895 bis mindestens Februar 1896 hält er sich in Mailand auf, wo er Alte Meister kopiert.
 
Im Alter von 34 Jahren gibt Andrea Robbi die Malerei plötzlich auf und wählt die Isolation. Die Umstände, die zu diesem drastischen Lebenswandel führen, sind unklar. Vielleicht spielt der Tod des Vaters bei diesem Rückzug eine Rolle oder die Zurückweisung seiner Bilder an einer Ausstellung. Einige Jahre nach dem der Vater starb, stirbt auch seine Mutter. Robbi zieht sich alleine in das Haus seiner Eltern zurück, in dem er den Rest seines Lebens in Dunkelheit verbringt. Nur noch gelegentlich geht er nachts hinaus, dreht ein paar Runden ums Haus und zieht sich wieder in seine eigene Welt zurück. Während seiner Isolation, verändert sich draußen die Welt. Das kleine Bergdorf Sils Maria wird zu einem beliebten Touristenort, wobei der eigenbrötlerische Maler in Vergessenheit gerät.

Dann die Sensation: Nach 30 Jahren Schöpfungspause, greift Robbi 1937 scheinbar das letzte Mal zum Pinsel und schafft ein letztes expressionistisches Bild einer Landschaft.

1945 stirbt er mit 80 Jahren verarmt, vereinsamt und verwahrlost im Spital von Samedan, nachdem er halb erfroren aufgefunden wird. Erhalten ist nur ein kleiner Teil des künstlerischen Oeuvres, meist undatierte Ölbilder, Zeichnungen und Aquarelle; einige der Arbeiten sind unvollendet. Als Robbis Haushalt 1945 aufgelöst wird, hat man längst vergessen, dass der Gescheiterte einst ein begabter junger Maler gewesen ist.
 
Die Bilder zeigen Robbis verschiedenen Schaffensphasen und Ausbildungsorte auf. München bot die Gelegenheit in klassisch akademischer Manier das Handwerk zu erlernen und sich mit dem traditionell dunkteltonigen Malerei auseinander zu setzten. Aus der Münchner Zeit kennen wir von Robbi einige Skizzen, Detailstudien von Stadtarchitekturen und akademische Menschendarstellungen. Von Bedeutung für Robbis Werk war die Begegnung mit den südlichen Landschaften in Frankreich und Italien, die Robbi in Ausstellungen in München sehen konnte. Die dabei gewonnen Anregungen brachten die Auseinandersetzung mit der Farbe und dem Licht als bildeigene Gestaltungselemente. Gattungsgeschichtlich sind Robbis Landschaften in Zusammenhang mit der Entwicklung der „paysage intime“ als spezifischen Bereich der Pleinairmalerei zu sehen. Robbis Alpenbilder enthalten keine symbolische oder allegorische Überhöhung sie suchen weder das pittoreske Motiv noch das dramatische Lichtspiel oder gar die romantische Verklärung. Sie sind intim in der persönlichen Begegnung des Menschen und Malers mit der Natur und unspektakulär in der Motivwahl und im Ausschnitt. Robbi interessierten Probleme der Wahrnehmung und deren malerische Übersetzung; im Vordergrund standen Fragen des Verhältnis von Natur- und Bildraum, der formalen, farblichen und konkret handwerklichen Realisation des Bildes, in der nicht die Vorstellung und das Gedankliche, sondern die Wirklichkeit in ihrer Erscheinung im Zentrum stand.


Stüva – Willkommen in der warmen Stube!
In der Stüva werden vier kleinformatige Ölbilder aus Italien gezeigt, die mit Aquarellen aus Italien, dem Bergell und dem Engadin ergänzt werden. Die gemütliche, warme Atmosphäre der wunderschönen Arvenholzstube wird durch die südlich anmutenden Darstellungen betont und lädt die Besucher zum Verweilen ein. Robbis Aquarelle zeichnen sich besonders durch ihre prächtige Farbgebung und leichte Ausführung aus und entführen den Betrachter in neue, teilweise verträumte Gegenden.